Samstag, 31. Oktober & Sonntag, 1. November: Vom Schuh-Exzess, maskulinem Ballast und der offenen Flanke der Seele

Der Plan, das Pferd und der Zucker im Voraus

Trotz starker Rückenschmerzen stehe ich mit überraschend guter Laune auf. Mein Plan ist klar: Ab nach Hause, optisch ein bisschen Ordnung schaffen – zumindest so gut das eben während eines laufenden Umzugs möglich ist –, und mich anschließend mit ein paar neuen Schuhen belohnen.

Dass eine Belohnung im Voraus grundsätzlich keine gute Idee ist, weiß jeder Zirkusdompteur. Wenn man einem Pferd den Zucker vor der Leistung gibt, wird es nicht mehr für das Publikum tanzen. So verwundert es im Grunde wenig, dass ich nach dem vorgezogenen Einkauf – den ich mit dem Argument begründet habe, dass nachmittags die Straße ohnehin wieder dem Pöbel überlassen sein wird – plötzlich absolut keine Lust mehr verspüre, überhaupt noch die Klinik zu verlassen. Ich schiebe offiziell die Rückenschmerzen vor – und mein seelischer Frieden setzt daraufhin unverzüglich ein.

Die „Sale-Beute“ und der systemische Check

Nach einer gründlichen Bestandsaufnahme meiner erbeuteten „Sale-Beute“ fällt mir dann allerdings auf, wie viele Paar Schuhe ich da eigentlich angeschleppt habe. Spätestens hier meldet sich das innere Frühwarnsystem: Irgendetwas kann hier nicht mit rechten Dingen zugehen. Sechs Paar Schuhe auf einen Streich rechtfertigen schlicht und ergreifend einen systemweiten Check.

Nach kurzer Analyse komme ich zu dem scharfsinnigen Schluss, dass ich über einen längeren Zeitraum schlicht zu viel purer, wogender weiblicher Energie ausgesetzt war und mein inneres System dadurch eine Delle abbekommen hat. Was bei einem 5-zu-2-Verhältnis auf Station auch weiter nicht verwunderlich ist – die stärkere Energie setzt sich eben durch. Vor allem dann, wenn bei einem der gerade mal zwei anwesenden Männer die Maskulinität von außen offen angezweifelt wird. Das war für mich persönlich eine klare Grenzüberschreitung von Fiona. Ich werde ein Auge auf sie haben.

Wenigstens ist mir noch kein weibliches Geschlechtsorgan gewachsen – immerhin ein kleiner Trost. Bei nächster Gelegenheit werde ich mich wohl oder übel für eine Weile in die sprichwörtliche Unterwelt begeben müssen, um wieder pure, unverdorbene und unerschütterliche maskuline Energie zu tanken; danach werde ich schon wieder der Alte sein.

Das Wochenende holt die Geister zurück

Da inzwischen Sonntag ist, tauchen all die bekannten Protagonisten wieder auf der Bildfläche auf, und die alten, ritualisierten Muster treten in aller Deutlichkeit zutage: Lautstärke, zähe Depressionen, starre Abwehrmechanismen, das vorzeitige Aufgeben-Wollen. Nichts davon bringt mich auch nur einen Zentimeter voran, aber es ist das Setting, das ich im Moment aushalten muss.

Leider zeigt sich dabei ein altbekanntes Problem: Mein inneres System ist nach wie vor äußerst durchlässig, vor allem, wenn es um fremde negative Emotionen geht. Wenn ich den Raum betrete und die ungelösten Frustrationswellen der anderen spüre, fängt mein Nervensystem an, ungefiltert mitzuschwingen. Ich nehme diesen fremden Ballast auf, als wäre er mein eigener.

Das ist keine bloße Empfindlichkeit, sondern ein echter Systemfehler, an dem ich arbeiten muss und arbeiten werde – um saubere Grenzen zu ziehen und den emotionalen Müll der anderen dort zu lassen, wo er hingehört: bei den anderen.

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