Montag, 12. Oktober: Sensorische Reizüberflutung, die „Hood“ und der fehlende Safe Space

Sensorische Reizüberflutung & nächtliche Irritation

Seit gestern zeigt sich eine deutliche Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Die Reizschwelle ist spürbar abgesenkt, und äußere Reize lösen eine intensivere Belastung aus als gewöhnlich. Die naheliegende Bewältigungsstrategie in diesem Zustand ist der bewusste Rückzug. Dieses Muster trat in der Vergangenheit vorrangig im Rahmen depressiver Phasen auf. Bedingt durch die aktuelle Anhedonie fehlt der direkte Zugang zur emotionalen Einordnung, was eine präzise Lokalisierung der Ursachen erschwert; in Verbindung mit der anhaltenden Müdigkeit spricht die Symptomatik für das Wiederauftreten depressiver Anteile.

Der Tag begann bereits um drei Uhr morgens mit einer externen Irritation: einer direkten Beschwerde über abgelaufene Lebensmittel im Kühlschrank. Inhaltlich ist das Anliegen nachvollziehbar, aber die Konfrontation mitten in der Nacht stellt unter den aktuellen Bedingungen eine zusätzliche Belastung für das Nervensystem dar. Das reduzierte Tagesprogramm mit Imagination und Progressiver Muskelrelaxation (PMR) bot einen funktionalen Ausgleich, um das Erregungsniveau vorübergehend zu stabilisieren.

Der Konflikt zwischen Vermeidung und Exposition: Die positive Überraschung

Bezüglich der am Abend anstehenden Selbsthilfegruppe bestand im Vorfeld ein massiver Impuls, den Termin schlichtweg ausfallen zu lassen. Da der zugrunde liegende Mechanismus für diesen Vermeidungsdrang jedoch identifiziert wurde, fiel die rationale Entscheidung zugunsten der Konfrontation: dem Termin beizuwohnen und die Situation nicht zu meiden.

Entgegen der ersten Befürchtung wurde der Abend jedoch zu einer durchweg positiven Überraschung – auch wenn es das erste Mal war, dass die Intensität so spürbar war. Wie üblich war ich zu früh da und kam mit einem neuen Gruppenmitglied ins Gespräch; meine direkte Frage nach den Erwartungen und Zielen führte zu einem sehr inspirierenden und zufriedenstellenden Austausch über gegenseitige Unterstützung und das Lernen miteinander.

Das Finden der eigenen „Hood“ & klare Abgrenzung

Für einen kurzen Moment war da dieses spürbare Gefühl des Ankommens und des Findens einer passenden „Hood“. Die zweistündige Sitzung verlief überwiegend sehr harmonisch und ruhig. Zwar flossen einmal Tränen, aber es wurde kein Drama darum gemacht – die Gruppe machte einfach ruhig weiter. Die Initiatorin war von dieser Harmonie so begeistert, dass sie es herzlich zur Sprache brachte (auch wenn sie mit den sofortigen Plänen für WhatsApp-Gruppen und Nummern austauschen etwas übers Ziel hinausschoss – etwas, das für mich nicht infrage kommt). Der Rhythmus von einmal im Monat ist genau richtig, und bei echtem Bedarf kann man das später immer noch anpassen.

Gefahrenlage an den Gleisen & nächtliche Grenzüberschreitung

Auf dem Nachhauseweg gab es dann noch eine akute Gefahrenlage: Ein Mann lag volltrunken im Bereich der Gleise. Ich packte ihn, setzte ihn sicher auf eine Treppe und verständigte umgehend die Polizei, bevor er im Gleisbereich verunglückt und am nächsten Morgen zu einer Zeitungsschlagzeile wird.

Endlich daheim, vertiefte ich mich in eines dieser tiefen Gespräche mit Fiona, bei denen man völlig die Zeit vergisst. Der anschließende Plan, direkt schlafen zu gehen, wurde jedoch durchkreuzt: Frau G. zog das Ganze ziemlich in die Länge und kam dann trotz mehrfacher, deutlicher Andeutungen einfach ungefragt in mein Zimmer. Da fragt man sich unweigerlich: Wie war das noch gleich mit dem Safe Space?

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