Gespenstische Ruhe & die Sache mit der Verantwortung
Samstag. Keine Therapie, keine schmerzhaften Einsichten. Die Station ist wie leergefegt, die meisten sind zu Hause oder bei Verwandten, und von den wenigen Verbliebenen sind ohnehin fast alle unterwegs – genau wie ich.
Ich nutzte die gespenstische Ruhe für die alltäglichen Verrichtungen und ging erst mal Wäsche waschen. Auf dem Weg traf ich eine Leidensgenossin, die exakt dieselbe Straßenbahn nahm wie ich. Sie war überraschend redselig und nett – was bis vor kurzem, als jene andere Person (die mit dem Draht zur dunklen Seite der Macht, zu der ich mich wie ein Schmerz-Junkie hingezogen fühlte) noch hier war, völlig undenkbar gewesen wäre. Zu meinem großen Bedauern ist sie mittlerweile weg und hat all ihr Wissen einfach mitgenommen. (Wobei ich mir an dieser Stelle die ehrliche Selbstreflexion erlaube: Die Verantwortung für mein Verhalten lag natürlich bei mir, und ich habe sehr wohl eingesehen, dass diese Witze unter aller Sau waren.)
Straßenbahn-Begegnungen & textile Grenzfälle
Nach dem Mittagessen stieg ich in die nächste Straßenbahn – und traf prompt auf die „Frau, die immer lacht“. Sie trug eine Jogginghose, die als Pyjama auf einer Intensivstation locker durchgegangen wäre. Als ich sie dezent auf ihre Sportbekleidung ansprach, fiel sie sofort in den harten Abwehrmodus und versuchte mir ernsthaft einzureden, wie unfassbar modisch das sei. Karl Lagerfeld hat schließlich mal den legendären Satz geprägt, wer in Jogginghosen auf der Straße herumläuft, habe die Kontrolle über sein Leben verloren – hier hatten wir das lebende Beweisstück.
Shampoo-Preise, Briefe & Skill-Utensilien
Im Auftrag meiner Oberärztin sollte ich ein spezielles Shampoo besorgen. Sie meinte noch optimistisch, das würde so um die 10 Euro kosten. Da ich mich auskenne, ging ich direkt vom doppelten Preis aus – mit knapp 24 Euro lag ich dann auch wenig überraschend fast punktgenau richtig. Danach musste ich kurz nach Hause, um ein paar wichtige Briefe zu holen, bevor es zurück in die Klinik ging. Dort widmete ich mich der edlen Kunst des Wäschezusammenlegens und bestellte ein paar dringende Skill-Utensilien.
Bruchlandung in der Realität
Nach dem Abendessen packte mich schließlich die Muße und ich setzte mich hin, um diesen Bericht zu verfassen. Messermann scheint indessen endgültig in der harten Realität aufgeschlagen zu sein. Er hat offenbar kapiert, dass der angeblich in seinen Porsche eingebaute „Pussymagnet“ – der übrigens dringend einen neuen Satz Reifen nötig hätte – in einer psychiatrischen Einrichtung nicht den Hauch einer Funktion hat. Scheinbar ist dieses Feature exklusiv US-Autos ab der Gewichtsklasse eines Cadillac Escalade vorbehalten.

