Freitag, 23. Oktober: Erstes Fazit, Contenance und der Plan gegen die Schikane

Ich bin wieder einmal viel zu früh aufgewacht. Um nicht ins Grübeln zu geraten, versuche ich meinen Kopf sofort zu beschäftigen und ein erstes Fazit zu ziehen. Mit meiner Anfangszeit hier kann und bin ich beim besten Willen nicht zufrieden: Die ganzen Beschwerden über die Küche und mein eigenes, teils grenzüberschreitendes Benehmen gegenüber Mitpatienten lassen mein Herz ein bisschen schwer werden. Gleichzeitig stelle ich aber auch fest, dass ich ruhiger geworden bin und spürbar weniger unter innerer Spannung stehe – ob das auf Dauer ein gutes Zeichen ist, wird sich freilich erst noch herausstellen.

Eigentlich könnte alles in Butter sein, wäre da nicht der permanente Kampf gegen das toxische Verhalten von Frau G. Das Muster kenne ich zur Genüge, genau wie das System, das dahintersteckt: Am Anfang werden nur winzige Grenzen überschritten, und mit der Zeit wird das schleichend immer mehr. Mein Nervenzentrum warnt mich schon eine ganze Weile vor ihr; es wird höchste Zeit, dass ich dieses Thema endlich bereinige.

Da mein Bezugspfleger offenbar machtlos zu sein scheint, muss ich die Sache wohl selbst in die Hand nehmen. Ich warte geduldig bis zu meinem Einzelgespräch mit der Oberärztin. Mir ist völlig klar, dass ich das dort nicht in meiner gewohnten „Baustellensprache“ vortragen kann, auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass das die unkomplizierteste Lösung wäre. Es widerstrebt mir gewaltig, dass ich selbst dann noch eiserne Contenance wahren muss, wenn hier permanent solche Übergriffe und Machtspielchen stattfinden und mein Safe Space mit Füßen getreten wird – am liebsten würde ich das Zeug einfach herausschreien.

Als es endlich zum Einzelgespräch kommt, bin ich bestens vorbereitet. Es gelingt mir, die Oberärztin davon zu überzeugen, dass es mir wirklich ernst ist und ich mit dieser Schikane genug habe. Wir besprechen das weitere Vorgehen: Ich werde noch einmal das Gespräch mit Frau G. suchen; sollte das – aus welchem Grund auch immer – scheitern, schaltet sich die Oberärztin persönlich dazu, hört sich die Argumente an und vermittelt. Also gut, dann soll es eben genau so laufen.

Da ich nun dringend meinen anstehenden Umzug vorbereiten muss, habe ich mich für kommenden Samstag und Sonntag erst einmal freistellen lassen.

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