Im vergangenen halben Jahr habe ich sehr viel erlebt und auch gelernt. Leider bin ich aufgrund gesundheitlicher Probleme, die mich sehr stark eingeschränkt haben, noch nicht dazu gekommen, das Ganze hier ausführlich wiederzugeben. Die vollständige, detaillierte Chronik wird nach und nach seinen Weg hierher finden.
1. Die Intention
Doch wie bin ich eigentlich dazu gekommen, eine eigene Selbsthilfegruppe zu gründen? Die initiale Idee stammte von meiner Beraterin bei einer sozialen Einrichtung, die mir empfahl, mich in der bestehenden Selbsthilfelandschaft umzusehen. Ich bin diesem Rat gefolgt und habe bei uns in der Stadt drei Gruppen zum Thema Borderline ausfindig gemacht – eine für Angehörige und zwei für Betroffene. Ich habe beide Betroffenen-Gruppen kontaktiert, was aber leider im Sande verlief.
„Beim anschließenden Telefonat mit dem Selbsthilfezentrum hat mich die zuständige Sozialarbeiterin – vermutlich etwas beeindruckt von meinem direkten Controller-Modus – gefragt, ob ich nicht einfach selbst eine Gruppe gründen möchte.“
2. Struktur & Konzept
Nachdem dieser Versuch im Sande verlief, erinnerte ich mich an eine grundlegende Lebenserfahrung: Wenn du möchtest, dass etwas verlässlich erledigt wird, musst du es selbst in die Hand nehmen. So entstand der finale Entschluss, die administrative Struktur selbst aufzubauen und eine Gruppe exklusiv für den stillen, internalisierenden Typus ins Leben zu rufen.
Ich nahm also erneut Konakt zum Selbsthilfezentrum auf und vereinbarte einen Termin. Wie immer bereitete ich mich auf das Gespräch vor und ging dann zum Gespräch mit der Sozialarbeiterin. Da ich wie immer zu früh war, wurde ich zwar herzlich empfangen, musste aber einen Moment warten. In der Zeit sah ich mich um und staunte, wie groß das Zentrum war und wie gut es aufgestellt war, auch technisch. Ich sah mir die ausgelegten Flyer an und realisierte, wie viele verschiedene Selbsthilfegruppen es gab.
3. Abgrenzung & Dokumentation
Das Gespräch fand statt und ich war angenehm überrascht, wie informiert die Sozialarbeiterin in Bezug auf Borderline war. Ich versuchte ihr so viele Informationen wie möglich zum Thema Stilles Borderline zu geben. Mir war wichtig, dass sie verstand, es ging hier nicht um Ausgrenzung, sondern um Inkompatibilität. Internalisierend versus Impulsiv externalisierend.
Ich hatte den Wunsch, das „howto“ zu dokumentieren und erstellte zu diesem Zweck eine Homepage, was heutzutage im Zeitalter von KI sehr schnell vonstattengeht. Die Sozialarbeiterin nahm sich sehr viel Zeit, erklärte mir alles sehr geduldig und hörte sich auch meine Fragen und meine Sicht auf die Dinge an. Es war wirklich sehr angenehm und professionell.
„Ich sollte einen kurzen Beitrag entwerfen, in dem ich die Gruppe und die Themen, die für mich als Ersteller der Gruppe wichtig waren, vorstelle – was ich aber schon erledigt hatte, als ich von Zuhause losging. Eben vorbereitet, oder anders ausgedrückt: Overthinking.“
4. Logistische & Finanzielle Absicherung
Auch die finanziellen und logistischen Rahmenbedingungen konnten wir direkt klären. Die Treffen werden zweimal im Monat stattfinden und sind auf jeweils zwei Stunden angesetzt. Für die Nutzung der Räumlichkeiten fällt eine Gebühr von 4 Euro pro Stunde an, wobei die ersten vier Treffen für uns komplett kostenlos sind. Das nimmt erst einmal den finanziellen Druck heraus. Der offizielle Startschuss für das erste Treffen fällt, sobald sich fünf Personen auf der Interessiertenliste zusammengefunden haben.
Die Unterstützung beim Marketing ist ebenfalls viel wert: Die Flyer werden vom Selbsthilfezentrum kostenlos für uns erstellt und gedruckt. Sobald ich die Exemplare in den Händen halte, werde ich sie bei verschiedenen psychosozialen und caritativen Anlaufstellen in der Umgebung auslegen, um gezielt Betroffene zu erreichen, die bisher durch das Raster fallen. Damit steht das gesamte organisatorische Gerüst.
Ich habe jetzt alles getan, was ich konnte.

