Donnerstag, 08. Oktober: Donnergott, Gruppendynamik und die Farce

Kampfstimmung & morgendlicher Stimmungscheck

Donnerstag, ich hoffe, der Name wird nicht Programm, schließlich wurde er einst dem Donnergott gewidmet. Nach einer etwas melancholischen Nacht, in der ich einige Dinge im Traum verarbeitet habe, und in dem Bewusstsein aufgewacht bin, dass ich ohne meine Frau in die neue Wohnung einziehen werde, bin ich in Kampfstimmung: „Fuck The System!“

Beim Rauchen kurzer Stimmungscheck: Die Stimmung reicht von „Wir müssen das in der Gruppentherapie besprechen“ bis zu Messerfantasien. Kann ja nur gut werden. Ich versuche die Situation zu entspannen und bekomme gesagt, dass ich ein Frauenschläger bin – natürlich nicht ganz so gemeint, aber dann irgendwie wohl schon? Warum sagen die Leute Dinge, die sie so nicht meinen? Beim Blitzlicht „Mir geht es wunderbar“, kurzes Lachen, da war die Runde auch schon wieder vorbei.

Die Gruppensitzung: Triangulation vermieden & Themenverschiebung

Demnächst Gruppentherapie, diesmal ohne die bedrückende Stille, da das Thema schon feststeht. Kurze Anspannung und los. Frau Oberärztin war etwas erstaunt, dass wir das Thema diesmal so klar benennen konnten. Frau „Ich meine nicht so, was ich sage“ überlässt mir die Initiative, also gebe ich eine kurze Schilderung meiner Entschuldigung beim Abendessen und vermeide Triangulation; das heißt, ich beziehe mich bei meiner Schilderung ausschließlich auf meinen Part, vermeide es, andere Personen mit hineinzuziehen, und spiele dann den Ball zu meiner Widersacherin, die zu meinem Entsetzen nun über Sexismus und andere Dinge anfängt zu sinieren und die Sachen schon wieder nicht so meint, wie sie es sagt.

Ich sage, ich bin ein bisschen verwundert, dass man „Kanake“ geographisch zuordnen kann, und sofort kommt ein „Ich finde es nicht gut, über andere zu sprechen, wenn sie nicht da sind“ – ob sie das auch gesagt hat, als sie über mich sprachen? Ich überlege einen Moment lang, kurzen Prozess zu machen, entscheide mich dann aber, die Sache einfach stehen zu lassen; ich bin hier einfach zu oft negativ aufgefallen. Der Messermann entpuppt sich nun als handzahm, was Frau „Ich meine nicht, was ich sage“ prophezeit hat. Sie ist gut in der Analyse, wird aber schnell müde, weswegen ich sie nun „Fauline“ nenne, wie den Schlumpf, der immer schläft und müde ist.

Die Farce um Vorwürfe & Baustellen-Realität

Die Sache stellt sich als Farce heraus, und kein Mensch erinnert sich daran, wie es überhaupt zu der Situation kommen konnte, dass ich ein Rassist und Grenzverletzer bin – ist halt einfach passiert. Die Oberärztin wird nicht müde zu erzählen, dass kein Patient sich über meine Witze und den Gebrauch von „Kanake“, wie es auf der Baustelle eben üblich ist, beschwert hat, sondern dass es vom Personal kam. Wen habe ich wohl im Verdacht?

Die Therapie geht zu Ende, und ich frage mich, wozu diese ganze Inszenierung wohl gut war. Kurz bevor wir endlich den Raum verlassen konnten, fragte noch eine Schreckschraube, die definitiv dem Bonzenmilieu zuzuordnen ist und sich für meine Verhältnisse wenig in der Realität bewegt, wie ich meine Mitarbeiter auf der Baustelle behandelt habe? So dass sich alle ein Haus in Ungarn kaufen konnten und teure Autos fahren, wäre vielleicht angemessen gewesen, aber sei’s drum. Die Gruppentherapie scheint für alle unbefriedigend verlaufen zu sein, kein Blut, keine Guillotine, stattdessen sinnloses Reden und keine klare Benennung der Vorwürfe – alles nicht so schlimm. Fickt euch!

Imagination & der gelöste Knoten

Mittagessen, eine neue Patientin, wirkt, als hätte sie gegeben, was immer sie auch für ein Problem hat. Ich beschließe, dass das nicht mein Problem ist, und gehe zur Imagination, die von einem sehr sympathischen Landsmann geleitet wird, der ziemlich beliebt zu sein scheint.

Als eine Mitpatientin aus heiterem Himmel einen Lachanfall bekommt, bemüht sie sich verzweifelt durch Handzeichen, den Leiter dazu zu bewegen, sie anzusehen, damit sie den Raum verlassen kann. Der macht keine Anstalten, ihr den Gefallen zu tun, also lacht sie weiter. Mittlerweile scheint sich ein Knoten gelöst zu haben, denn Fauline fängt auch an zu lachen; das geht so weit, dass sogar der Herr mit den Messerfantasien in das Lachen einsteigt. Beim darauffolgenden Blitzlicht wird darauf bestanden, dass es allen schlecht geht, und eine kollektive Müdigkeit scheint aufzusteigen – aber der Knoten ist geplatzt.

Feierabend für heute. Abendessen.

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