- Glossar: Borderline-relevante Fachbegriffe
- 1. Affektregulation
- Fähigkeit, eigene Gefühle bewusst zu steuern und auszuhalten. Bei Borderline oft gestört.
- 2. Alltagsdissoziation
- Zustand innerer Abwesenheit oder Taubheit. Kann sich anfühlen wie „neben sich stehen“.
- 3. Ambivalenz
- Gleichzeitiges Erleben widersprüchlicher Gefühle (z. B. Liebe und Hass gegenüber einer Person).
- 4. Anhedonie
- Unfähigkeit, Freude zu empfinden. Häufig bei Depression, aber auch bei Borderline.
- 5. Angstbindung
- Bindungsform mit starker Verlustangst und Kontrolle. Typisch bei unsicherer Bindung.
- 6. Antizipation
- Erwartung oder Vorwegnahme emotionaler Reaktionen (oft katastrophisierend bei BPS).
- 7. Autonomie-Konflikt
- Innerer Konflikt zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Bedürfnis nach Abstand.
- 8. Chronische Leere
- Gefühl innerer Leere oder Sinnlosigkeit ohne klare Ursache – zentrales Symptom von BPS.
- 9. Co-Abhängigkeit
- Selbstaufgabe in Beziehungen zur Stabilisierung des Anderen. Häufig bei BPS-Beziehungen.
- 10. Dissoziation
- Abspaltung von Wahrnehmung, Emotion oder Identität als Reaktion auf Überforderung oder Trauma.
- 11. Dysphorie
- Unangenehmer, schwer definierbarer emotionaler Zustand (Unruhe, Gereiztheit, Schmerz).
- 12. Ego-State
- Ich-Zustände (z. B. inneres Kind, Beschützer, Rebell). Modell aus der Ego-State-Therapie.
- 13. Emotionsregulation
- Bewusste Steuerung von Emotionen. Bei BPS stark beeinträchtigt oder instabil.
- 14. Entwertung
- Abwertung einer Person nach anfänglicher Idealisierung. Teil der Schwarz-Weiß-Dynamik.
- 15. Flashback
- Unkontrolliertes Wiedererleben traumatischer Erinnerungen – als ob es real passiert.
- 16. Frustrationstoleranz
- Fähigkeit, mit Enttäuschungen umzugehen. Bei BPS oft sehr niedrig.
- 17. Funktionale Dissoziation
- Schutzmechanismus gegen psychischen Schmerz durch Abspaltung (ähnlich wie „abschalten“).
- 18. Gaslighting
- Psychologische Manipulation, bei der Realität des Gegenübers gezielt infrage gestellt wird.
- 19. Gefühlsdurchbrüche
- Plötzliche, intensive Gefühlsausbrüche, oft mit Kontrollverlust.
- 20. Gegenübertragung
- Emotionale Reaktion des Therapeuten auf den Klienten. Wichtiges Thema in der Psychotherapie.
- 21. GFK (Gewaltfreie Kommunikation)
- Kommunikationsmodell zur bedürfnisorientierten Konfliktlösung (nach Marshall Rosenberg).
- 22. Hochsensibilität
- Stärkere emotionale und sensorische Reizverarbeitung. Nicht automatisch pathologisch.
- 23. Idealisiertes Selbstbild
- Überhöhtes Selbstkonzept als Schutz vor Selbstzweifeln. Kann bei BPS instabil sein.
- 24. Identitätsdiffusion
- Unklares Selbstbild, wechselnde Rollen oder Persönlichkeitsanteile. Kernmerkmal bei BPS.
- 25. Impulsivität
- Handeln ohne Nachdenken – oft aus emotionalem Druck heraus (z. B. Wut, Angst).
- 26. Innere Anspannung
- Zustand massiver innerer Unruhe ohne äußeren Auslöser.
- 27. Innere Kindarbeit
- Therapeutischer Zugang zu kindlichen Prägungen und verletzten Ich-Anteilen.
- 28. Interpersonelle Instabilität
- Schwankende Beziehungen, oft zwischen extremer Nähe und Rückzug.
- 29. Invalidierung
- Abwertung oder Nicht-Ernstnehmen emotionaler Zustände – auch unbewusst.
- 30. Introjektion
- Übernahme von Einstellungen oder Bewertungen anderer (z. B. Elternkritik als innere Stimme).
- 31. Katastrophisieren
- Tendenz, Situationen gedanklich zu dramatisieren oder als schlimmer zu bewerten als sie sind.
- 32. Kognitive Dissonanz
- Widerspruch zwischen Denken, Fühlen und Handeln. Löst starken inneren Stress aus.
- 33. Konfrontationstherapie
- Therapieform, in der belastende Inhalte bewusst aufgerufen werden, um Verarbeitung zu ermöglichen.
- 34. Mentalisierung
- Fähigkeit, eigenes und fremdes Verhalten als Ausdruck innerer Zustände zu verstehen.
- 35. Mini-Dissoziationen
- Kurzzeitige Wahrnehmungsveränderungen oder Bewusstseinslücken im Alltag.
- 36. Nähe-Distanz-Problem
- Schwierigkeit, emotionale Nähe auszuhalten – oft verbunden mit Flucht- oder Klammerverhalten.
- 37. Objektkonstanz
- Fähigkeit, Menschen auch bei räumlicher Trennung oder Konflikt als „gut“ zu erleben. Bei BPS oft eingeschränkt.
- 38. Projektion
- Unbewusste Übertragung eigener innerer Zustände auf andere Personen.
- 39. Provokationsmuster
- Unbewusstes Testen der Beziehungssicherheit durch herausforderndes Verhalten.
- 40. Reinszenierung
- Wiederholung alter Beziehungsmuster, oft traumabedingt, um emotionale Kontrolle zurückzugewinnen.
- 41. Retraumatisierung
- Wiedererleben alter Traumata durch ähnliche aktuelle Erfahrungen oder Trigger.
- 42. Rückzug
- Schutzreaktion auf emotionale Überforderung – kann abrupt oder passiv-aggressiv sein.
- 43. Schwarz-Weiß-Denken
- Dichotomes Denken in Extremen („nur gut oder nur böse“). Typisch bei BPS.
- 44. Selbstverletzendes Verhalten (SVV)
- Körperliche Verletzung zur Spannungsregulation oder Gefühlsausdruck.
- 45. Selbstwertinstabilität
- Wechselndes Selbstbild zwischen grandios und wertlos.
- 46. Spaltung
- Abwehrmechanismus, bei dem widersprüchliche Anteile (z. B. gut/böse) nicht integriert werden.
- 47. Suizidalität
- Gedanken oder Handlungen mit Bezug auf Selbsttötung – bei BPS häufig, meist ambivalent.
- 48. Täterintrojekt
- Verinnerlichte Haltung eines früheren Täters, z. B. in Form von Selbsthass oder Schuldgefühlen.
- 49. Trigger
- Reiz, der unbewusst eine starke emotionale Reaktion oder ein Trauma aktiviert.
- 50. Übertragung
- Unbewusste Wiederholung alter Beziehungsmuster in neuen sozialen Situationen (z. B. mit Therapeuten).

